schamanische Reise – Andersweltreise

Schamanische Reise – Andersweltreise

Was versteht man eigentlich unter einer schamanischen Reise? Im Mittelpunkt meiner schamanischen Welt steht der Baum. Mit seinen Wurzeln unter der Erde, seinem Stamm auf der Erde und seiner Krone im Himmel. Dies sind die 3 schamanischen Welten, Unterwelt (untere Welt- der Wurzelbereich), Mittelwelt (der Stamm – die Hierwelt) und Oberwelt (Krone – der Himmel).

Ich möchte es nicht mit den psychologischen Begriffen verbinden, wie Unterbewußtes, Tagbewußtes und niederes oder höheres Selbst.

Leider wird zu vieles heute in einen Topf geschmissen, kräftig umgerührt und dann kommt da auch noch das innere Kind heraus, dessen Platz an einer ganz anderen Stelle ist. Und doch spreche ich vom kindlichen Bewusstsein, mit dem ich die Welten bereise, fern der Definition der Erwachsenen, mit ihren logischen Begründungen in kann sein und kann nicht sein.

Kinder haben einen ganz natürlichen Zugang zu Visionen. Ein Stück Holz wird zum Pferd und es ist Pferd!

So reise ich entlang des Schamanenbaumes durch die Welten. Es ist wichtig, immer genau zu wissen, wo ich mich befinde, sonst verliere ich mich. Auf dieser Reise begegne ich Tieren, Wesen, Lehrern, Krafttieren, den Ahnen, der Göttin. Ich spreche mit Steinen, Pflanzen, Tieren, Wolken, dem Mond, der Sonne, den Sternen und vielem mehr.

Eingeleitet wird die Reise durch ein Ritual, räuchern, rasseln trommeln. Diese Ritual ist nicht immer gleich, ändert sich von selbst und so stimmt es auch. Günstig ist, wenn ich die Reise an den Wurzeln beginne, es ist aber nicht Bedingung. Ich kann mich genau so gut an den Stamm lehnen und nach unten und oben gehen, in die Krone steigen und in die Wurzel reisen. Wichtig ist nur, zu wissen wo ich bin. Die Trance mit der ich reise ist ein hellwacher Zustand, den ich alleine beenden kann. Ich bin nichts und niemand hilflos ausgeliefert.

Die Reise muss nicht unbedingt eine Reise zum Krafttiere, Kraftwesen sein, kann aber damit verbunden werden. Wichtig ist auch hier, genau hinzusehen, genau hinzuhören. Manchmal erschließen sich die Bilder einer schamanischen Reise nicht sofort. Wenn Du genau hinsiehst, zuhörst, kann auch im Alltag plötzlich der Schlüssel für die Reise liegen.

Die Sichtweise und Beschreibung von Michael Harner und anderen Forschern ist hilfreich, aber trotzdem ist es wichtig, eigene Erfahrungen zu sammeln und zuzulassen dass es sich verändert. Es gibt, wie gesagt, nicht „den“ Schamanismus.

Es ist gut, ganz gezielt und mit einer bestimmten Frage auf die Reise zu gehen, dann sind die Eindrücke und Antworten klarer.

Was ist der Sinn einer solchen Reise? Z.B. ein Gespräch mit dem Krafttier, eine Frage an die Göttin, die Ahnen. Hier ist es leichter zu fragen, leichter zu antworten und leichter zu verstehen, als wenn ich mit meinem Alltagsintellekt daran gehe.

Nun ist es aber nicht nötig, mit jedem Problem auf die Reise zu gehen. Erst schauen, kann ich es in der Mittelwelt lösen, wenn nicht, dann frage ich eben mal drüben nach.

Noch was zum Start. Ich räuchere vorher mit Salbei, den Raum, mein Platz, die Trommel und alle Utensilien die ich benötige und stelle mir vor, dass mit dem Rauch nun alles geht, was jetzt nicht hierhin gehört. Durch diese kleine Zeremonie stimme ich mich ein auf das was jetzt beginnt.

Du siehst Dich nicht klar? Hast Du eine klare Vorstellung von Deiner Person? Versuch es mal mit Wahrnehmungsübungen Deiner selbst. Setze Dich in den Spiegel, studiere Deine Gesichtszüge, Deine Haltung, Deine Gestik, Mimik, bis Du die Augen schließen kannst und ein genaues Bild von Dir bekommst. Es ist nicht immer so einfach, sich selbst in die Augen zu sehen.

Andererseits, wenn Du Dir sicher bist, dass diese Person, auch wenn Du sie verschwommen wahrnimmst Du bist, dann ist es auch ok. Es hat immer alles mehrere Möglichkeiten und ist nicht so endgültig zu definieren.

Reisen kann einerseits eine aktive Sache sein, in der Du Dir vorstellst, dich zu bewegen, andererseits kann durch „Weitergehen wollen“ das Tempo „rückwärts“ sein oder Stillstand. Ich lasse mich fallen, lasse mich gleiten, kein aktiver Vorgang, sehr sanft und es gibt das Gefühl von Behütetsein.

Dort, wo Du bist, nimmst Du alles wahr und vor allen Dingen du wirst von allen Wahrgenommen! Jedes „ich will jetzt aber weiter, oder da und da hin“ kann die Sache nur Verzögern. Entwickle Deine Visionskraft, Deine Vorstellungskraft und deinen Willen. Mache Dir ein Bild, wie es nach Deiner Meinung aussehen kann.

Nicht immer sind die Bilder und Aussagen sofort ganz klar. Viele können z.B. die grüne Wiese nicht sehen. Aber jeder (außer Blinde – dazu sag ich gleich noch was) haben schon einmal real eine Wiese gesehen. Wenn Du das Gefühl hast, auf einer Wiese zu sein, dann lass es langsam entstehen, vielleicht wird es mit jeder Reise besser. Denk dran „ich will aber“ funktioniert nicht.

Stell Dir vor, jemand hat noch nie eine Wiese gesehen, aber er hat schon einmal auf ihr gelegen. Der Geruch, die Töne der Tiere, das leichte säuseln des Windes im Gras… all diese Vorstellungen können auch helfen, das Bild zu bekommen. Wenn Du allerdings mit geschlossenen Augen in die Ferne schaust und ein Bild „haben willst“, dann bist du nur noch darauf konzentriert „sehen“ zu wollen und vergisst alle anderen Sinneseindrücke, die auch dazu führen, dass ein Bild einfach entsteht. Erinnere dich z.B. an einen schönen Tag, draußen, in der Natur, leg dich hin und träume dich in diese Situation wieder hinein, laß einfach den Tag-Traum laufen und genieße. Es ist einfacher, sich erst mal Bilder vorzustellen, die man schon kennt, als unbedingt Bilder haben zu wollen, die man sich noch nicht mal vorstellen kann.

Viele unserer Sinne sind einfach „verstopft“ in unserer zivilisierten Welt, überfrachtet mit Fernsehen, Radio, Telefon, ja, auch dem Internet. Es ist dann schwer, die kleinen einfachen und doch so subtilen Dinge wahrzunehmen, wie der Geruch, die Farbe und die Töne einer Sommerwiese. Blinde haben oft den Vorteil, das besser „sehen“ zu können.

Bei Reisen bin ich beides, Beobachterin und Handelnde, manchmal sehe ich nur zu, bekomme so eine Unterweisung oder ich sehe eine Szene vor mir ablaufen, die sich eine Handlung ergibt. Manchmal bin ich sehr aktiv, bin inmitten des Geschehens und kann dort neue Handlungsspielräume ausprobieren.

Kann ein schamanisch Tätiger zu meinem Krafttier oder Lehrer reisen, um zu erfragen wie ich die Schwierigkeiten in den Griff bekomme ?

Ein schamanisch Tätiger kann zu Deinem Krafttier oder Lehrer reisen, um zu erfragen, die Schwierigkeiten aufgelöst werden können. Das ist dann aber Erzählung über….. Du bekommst eine Bildergeschichte serviert. Wenn dann kein Gefühl dazu in dir entsteht, bleiben es leere Bilder. Oft sind die Bilder auch „gefärbt“ von der Vorstellungswelt des Erzählers und nur ein kleiner Bruchteil hat wirklich mit Dir zu tun. Das Ding mit subjektiv und objektiv, kennst Du bestimmt.

Besser ist es, wenn Du es selbst tust und Deine „sinnliche“ Wahrnehmung hast. Manchmal sind Krafttiere einfach da und manchmal muss Du dich ihnen langsam annähern. Beobachte die Tiere in der Natur, gehe z.B. zu einer Pferdeweide. Nicht immer kommen die Pferde sofort angetrabt, sondern Du brauchst Zeit und Geduld, bis Du vertraut bist mit ihnen, dann kommen sie gerne zu Dir.

Das, was Du suchst, geht oft nicht von heute auf morgen. Es kann gelingen, aber oft braucht es einfach Zeit und am allerwichtigsten, die Sinne und die Wahrnehmung schärfen. Unter Wahrnehmung verstehe ich die nichtwertende Wahrnehmung. Du siehst etwas, stellst fest, angenehm oder unangenehm. Bei angenehmen Dingen verweilst Du gerne, bei unangenehmen Dingen, spielt sich sofort ganz viel in Deinen Gedanken ab, du assoziiert sofort alle dir bekannten Begleitumstände zu einer unangenehmen Sache. Damit ist das „Aufwachprogramm“ aus der Trance eigentlich schon gestartet und Du kommst sofort von dem Bild weg. Trance ist etwas, was viel Vertrauen, vor allen Dingen in Dich selbst benötigt. Sich wirklich fallen lassen können in die Erfahrungen, bedingt absolutes Sicherheitsgefühl. Das ist Trainingssache. Ein geringer Unsicherheitsfaktor reißt Dich sofort wieder raus.

Trance ist ein hellwacher Zustand, wo die wichtigen Körperfunktionen, ich nenne es mal der einfachheit halber „auf Autopilot“ geschaltet sind. Alles funktioniert von selbst, ohne dein Zutun, vor allen Dingen die Atmung. Dann erst kann der Geist reisen und sich sicher fühlen.

 

 

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