Koblenz- einmal hin und zurück

hin und zurück

Wien-Koblenz, 1963… Wurzeln herausgerissen und umgetopft, Innerhalb von wenigen Wochen. Eine fremde Stadt, eine fremde Schule, ein fremder Mann, der nun mein Stiefvater sein sollte. Mutter heiratet nach Deutschland. Alles ist zurückgeblieben. Meine Freunde, meine Familie, mein Zuhause, meine Kindheit, mein Leben. Keine Orientierung, keine Hilfe. Planlos, ziellos, Versuch mich irgendwie einzurichten.

Löhrstraße, bekanntes Haus. Dann stehe ich wieder in der Jesuitengasse, in dem Haus in dem ich lebte. Die Stadtführerin erzählt, erklärt gut gelaunt, trotz Regen. Viele beklemmende Gefühle. Ich setze mich von der Stadtführung ab mache meinen eigenen Gang durch die Stadt.

Die Stadt hat sich ein wenig verändert. Es gibt mehr Bäume, die ich früher so vermisst habe. Die Geschäfte sind anders, endlich Straßencafes, die ich in Bonn so liebe. Das sind äußerliche Veränderungen.

Meine Blicke switchen zwischen dem Kind das ich war und der Frau die ich heute bin. Ich sehe mit ihren und mit meinen Augen. Ich höre ihr zu, wie sie die Dinge beschreibt und versuche zu empfinden was sie erzählt, so gehen wir Hand in Hand durch die Straßen. Wir finden einen Laden, in dem ich endlich doch das Bambus Digje kaufe, das ich schon so lange haben möchte, weil es nicht so schwer ist wie mein anderes aus Australien. Es tut gut, es hier zu kaufen. Der Mann im Laden ist erstaunt, dass ich das einfach ansetze und losspiele. Traumzeit, ja lass uns weiter zusammen träumen, sagt die Kleine. Wir fühlen uns wohl, es ist vorbei und doch sind die Spuren sichtbar, spürbar und werden es bleiben. Es ist gut so, wir wissen, dass wir zusammen gehören. Wenn ich die Töne höre, hier, dann weiß ich, Heilung ist.

Früher, wenn ich von Koblenz nach Bonn fuhr, hinter Andernach, in der Kurve auf der B9, da sah ich den Fluss zum ersten mal und ich konnte atmen, da war die Freiheit, da ist die Freiheit, da lebe ich heute. Die Fahrt mit dem Schiff zurück nach Bonn, im strahlenden Sonnenschein, war die Reise zweier Siegerinnen, einem Kind und einer Frau. So fühlt sich nach Hause kommen, Glück und Freude an.

Ein Gedanke zu „Koblenz- einmal hin und zurück“

  1. *plasteraufseelekleb* schönes Foto und ein etwas gruseliger Bericht 😉

    Umärmel
    Sabine

    PS: hamse die nächste zeit fürs telefon?

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